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Im Verlauf der einjährigen "kreativen Offensive"als Vorbereitung auf das 100-jährige Jubiläum des Hermann-Böse-Gymnasiums in Bremen entstand ein Interview, bei dem der Schüler Milad Khakpour Fragen zur Kunst und zum Arbeitsfeld eines Künstlers stellte.
Das Interview ist veröffentlicht in der Publikation
„discimus!“ Bremen 2005, S. 9-13
zu beziehen über das Sekretariat des HBG, Telefon 361-6272

"Leben>Lernen>>Leben!"
Fragen an den Künstler Michael Weisser

Frage: Herr Weisser, bei dem ersten Treffen mit unserem Redaktionsteam sagten Sie schon direkt am Anfang, Sie würden sich von Lehrern und Eltern unterscheiden. Inwiefern unterscheiden Sie sich?

MW: Ich sehe meine Aufgabe im HBG-Projekt weder darin zu erziehen noch einen Stoff pädagogisch zu vermitteln. Ich biete eine annähernd realistische Arbeitssituation an, in der jeder Einzelne erleben kann, wie eine Publikation entsteht.
Vor dem Hintergrund meiner langjährigen Erfahrung in verschiedenen Medienfeldern mache ich Vorschläge, die ihr diskutiert und abwägt, ohne dass ich dafür Noten verteile.
Wichtig ist: Ich nehme die Gruppe als Partner ernst und versuche, in der Aufgabe des Moderators und Herausgebers einen guten Job mit einem möglichst guten Ergebnis zu machen.
Unser Job als Redaktionsteam ist es, eine Publikation zu entwickeln, die professionell, informativ und originell die Themen bearbeitet, die für Schüler zentral wichtig sind, um das vor ihnen liegende Leben in einer schwierigen Zeit bewältigen zu können.
Das geplante "Buch", bei dem ich das Team berate und das ich federführend herausgebe, soll ein wirksames Medium sein, mit dem die Schule nach außen kommunizieren kann. Es sollte im besten Fall im Rahmen eines zu erarbeitenden kulturellen Schulprofils für das HBG einen Pool für Anregungen bieten, vielleicht sogar andere Schulen interessieren.

Frage: Wie würden Sie sich, Ihre Persönlichkeit, Ihren Charakter mit drei Worten beschreiben?

MW: Interessiert, ausdauernd, zuverlässig!

Frage: Was ist ein freiberuflicher Künstler?

MW: Ein Künstler ist die relativ seltene Spezie von Mensch, die versucht, ihr Leben zum Thema zu machen und diese Themen medial zu kommunizieren.
Künstler sein bedeutet, einen ästhetischen (sinnlichen) Ausdruck für das zu finden, was bewegt, was interessiert, was für wichtig erachtet wird.
Ein Künstler will der Welt und damit sich selbst zeigen, was ihn bewegt.
Mit diesem Zeigen machen sich die Künstler in ihren Ausstellungen, Aktionen, Installationen und Performances verwundbar. Der Künstler setzt sich bewußt dem Risiko aus, öffentlich kritisiert, belächelt, unverstanden zu sein oder gar verschmäht zu werden. Worauf er natürlich hofft, ist die Anerkennung seiner Arbeit und die Entfaltung ihrer Wirkung.
Wichtig ist mir der Hinweis, dass "Kunst" nicht von vorne- herein ein Qualitätsmerkmal ist (dass Kunst also "gute" Kunst sein muss). Der Begriff "Kunst" beschreibt Objekte, Ideen oder Handlungen, die im Kontext von Kunst vorgestellt werden. Ob an den traditionellen Kunstorten wie Museen, Galerien, Kunstvereinen oder an Un-Orten wie Bunker, Werkhallen, im öffentlichen Raum...
Kunst tritt immer als Kunst in Erscheinung! (Selbst wenn ausdrücklich behauptet wird, sie sei Teil des Lebensalltags)...
Zurück zum Künstler und seiner Freiberuflichkeit. Trotz all seiner Hoffnungen und Träume befindet sich auch der Künstler in einem gesellschaftlichen Zusammenhang, der die "Freiheit" seiner Entscheidungen relativiert.
Mindestens dort, wo auch ein Künstler sein Geld verdienen muss, um leben zu können, steht er ständig vor der Frage, inwieweit er seine Themen wirklich leben kann oder inwieweit er Zugeständnisse an einen andersartigen Geld-Job oder einen Auftrag machen muss. Einen Auftrag bekommt man immer mit dem Interesse des Auftraggebers. Ob und inwieweit man sich diesen Auftrag zur eigenen Sache machen kann, hängt ganz vom Einzelfall ab.

Frage: Worauf kommt es besonders an, wenn man Künstler ist?

MW: Jeder Künstler setzt seine eigenen Schwerpunkte. Für mich gehört zu einem Künstler die Neugierde. Er muss Interesse an der Welt haben. Dann muss er eine besondere Intensität fühlen und leben und die Ergebnisse seiner Neugierde und Intensität medial umsetzen können. Das Medium (ob Malerei, Grafik, Objekt, Foto, Video, Installation oder Konzept, ob Tanz, Musik, Klänge, Literatur oder Poesie) dient immer der Kommunikation.

So lebt der Künstler im steten Gespräch mit sich selbst und im Austausch mit den anderen Menschen, die seine Ausstellungen (welche Form sie auch haben) besuchen.
In der Mischung von Neugierde und Intensität liegt für mich zwangsläufig auch die Kreativität begründet. Wer Interesse an Neuem hat und sich eingehend darauf einlässt, der lebt intensiv.
Wenn man Neugierde, Intensität und Kreativität in einen gesellschaftlichen Zusammenhang einbringen will, dann muss man sich als zuverlässig erweisen.

Frage: Warum haben Sie sich dazu entschieden, so zu leben?

MW: Kurz gesagt, weil es für mich die optimale Form ist, Mensch zu sein, mich zu erleben, mich zu entwickeln, mich zu genießen, mich zu überwinden und mich an Neuem zu messen.
Etwas ausführlicher gesagt, weil ich das Leben als einen spannenden Wirbel sehe, der Zufälle an mich heranträgt, die ich erkennen und ergreifen muss, um an dieser Bewegung teilnehmen zu können.
Für mich ist das Leben ein Spiel energetischer Kräfte zwischen Chaos und Ordnung, zwischen Rauschen und Information, zwischen Unschärfe und Klarheit. Und immer auch zwischen Glauben und dem, was wir "Wissen" nennen.
Ich nehme Wirbel auf und erzeuge selber kleine Wirbel. Insoweit ist Kunst für mich die schönste Form von Energie.

Warum ich mich entschieden habe, mit Kunst mein Leben zu verbringen? Diese Entscheidung entsteht als Prozess, der in der Biografie eines jeden Künstlers ganz eigenwillig begründet liegt. Bei mir war es so: Ich wollte nach der Schule eigentlich in der wissenschaftlichen Forschung arbeiten, hatte das Bild des erfindenden Chemikers (Alchemisten!!) vor Augen, der der Frage nachgeht, was die Welt im Innersten zusammenhält (was Sinn macht).

Ich musste aber während meines Praktikums in einem Forschungslabor erkennen, dass der analysekochende Alltag ganz anders aussieht; den erlebte ich als eine langweilige Fließbandarbeit.
Ein Schulfreund von mir studierte damals auf der Werkkunstschule in Köln und wir saßen abends oft auf dem Dach seines Elternhauses und er erzählte mir mit Blick in den Sternenhimmel von seiner Sicht der Dinge.
Was ich hörte und was ich bei ihm sah, faszinierte mich immer mehr und ich versuchte einfach (ohne dass meine Eltern davon wussten) die damals sehr schwierige Aufnahmeprüfung. Ich hatte bestanden.
Es war Ende der sechziger Jahre. Wir waren politisiert, stellten alles infrage, suchten Antworten und (in scharfer Abgrenzung zu unseren Eltern) einen anderen, neuen Weg. Es bildete sich eine Gruppe und wir bestärkten uns gegenseitig, dass Kultur nur das Establishment bestätigt.
Also machten wir Kunst, die wir nur verliehen. Und wir studierten: Kunstgeschichte (welche Formen von Kunst gibt es), Soziologie (in welchem gesellschaftlichen Kontext findet Kunst statt), Politologie (wie wird dieser Kontext durch Ideologien geprägt), Erziehungswissenschaften (wie wird dieser Kontext an die kommende Generation weitergegeben) und Kommunikationswissenschaften (wie verständigen sich alle Beteiligten untereinander).
In der Folge habe ich in drei Medien-Feldern gearbeitet: Das "Wort" habe ich gelernt in wissenschaftlichen und literarischen Publikationen. Den "Klang" habe ich gelernt in Musikproduktionen und das "Bild" habe ich gelernt in vielen Bildern, die ich gemalt oder collagiert habe und in tausenden von Fotos, die ich weltweit gemacht habe.
Zwischen diesen Medien habe ich immer wieder die Verknüpfung gesucht...

Frage: Worauf haben Sie sich spezialisiert?

MW: Aktuell (das heißt seit 2000) arbeite ich auf der Grenze der analogen und digitalen Verarbeitung von Informationen. Im Kern interessiert mich das Phänomen des Rauschens als Unschärfe, von der die Welt bestimmt ist. In der Unschärfe finden wir erst bei Annäherung Formen, Identitäten, Bedeutungen, das klingt theoretisch... ist aber eigentlich sehr einfach.
Mein technisches Mittel ist vorwiegend die digitale Fotografie. Die Ausgabe-Medien können das ausgedruckte oder das projizierte Bild sein.
Bei den Bildern handelt es sich zumeist um Details eines Themas. Das Thema kann eine Atmosphäre, ein Ort, ein Objekt, eine Architektur oder eine Idee sein.
Meistens ist es ein örtlich begrenzter Bereich, wie zum Beispiel das Hermann-Böse-Gymnasium in Bremen.
Die Bilder, die ich aufnehme, sind keine Totalen (die den ganzen Gegenstand zeigen), sondern fast immer Details als
kleinste, typische Einheit des Ganzen.
Aus jedem Foto wähle ich einen quadratischen Ausschnitt und arrangiere abschließend diese Ausschnitte zu einem großformatigen, wiederum quadratischen Raster-Feld.
Mit diesen Bild-Feldern und den sich daraus ergebenden Installationen versuche ich, dem "spirit" des Themas einen Ausdruck zu geben oder eine Geschichte über den Ort zu erzählen.

Frage: Ihre Fotos/Kunstwerke sind immer in Form von Schaltern bzw. Knöpfen oder Tasten dargestellt und haben ein bestimmtes "Schema". Was möchten Sie mit Ihren Fotos/Kunstwerken vermitteln?

MW: Jedes einzelne Bild der aktuellen Werkserien wird als Quadrat aus der Rechteckform des Fotos herausgestanzt und auf grafischem Wege mit einem plastischen, schmalen Rahmen versehen. Man könnte sagen, der Rand eines jeden Bildes wird geprägt, so dass der Eindruck einer Taste entsteht, die zum Draufdrücken auffordert.
Für mich stellt sich immer die Frage, was liegt dahinter. Was löst das Bild in mir aus. Hoffnung, Angst, Sehnsucht, Freude.... gemeint ist eigentlich nicht das, was ich sehe, sondern das, was es in mir bei meiner Wahrnehmung der Welt erzeugt.
Die Form der Taste soll immer daran erinnern, dass es um mehr geht, als um die Bild-Folie...

Frage: Wer sich schon mal Ihre Werke angeschaut hat, wird feststellen, dass Sie es vermeiden, Menschen zu fotografieren. Woran liegt das?

MW: Ich könnte antworten, dass sich bislang noch kein Projekt zum Thema Menschen ergeben hat. Doch ich muss zugeben, dass ich mich generell nicht wohl fühle, fremde Menschen zu fotografieren. Für mich ist das eine relativ intime Beziehung, die ich nicht mit jedem eingehen möchte.

Frage: Was waren Ihre Höhepunkte in ihrer bisherigen Laufbahn als Künstler?

MW: Ich messe meine persönlichen "Erfolge" weniger an spektakulären Kunst-Projekten als vielmehr an intensiven Erlebnissen. Dazu zählen Fotografie und Soundrecordings an ganz besonderen Orten auf diesem Globus,
wie in der Lagune von Bora Bora, oder im Rano Kau Krater auf der Osterinsel oder bei einer Voodoo-Session in der Savanne in Kenia oder ein Besuch auf der Echseninsel von Turcs&Caicos oder auf den Lebend-Tier-Märkten von Hong Kong oder nachts am lodernden Strandfeuer auf Fiji oder morgens um 4 Uhr auf dem Fischmarkt in Tokyo oder aus den Fenstern des Restaurants "Windows on the World" im 107. Stock des am 11.9.2001 zerstörten World-Trade-Centers mit Blick über das nächtliche New York.... das waren für mich unvergessliche High-Lights in meinem Leben.
Hier habe ich den Entstehungs-prozess von Kunstprojekten ehrlich gesagt intensiver erlebt als das fertige Werk.
Bezogen auf ein neues Werk kann ich sagen, dass ich die Fertigstellung einer komplizierten Ausstellung (besonders einer Installation, die sich auf den Raum bezieht)... ich meine den Moment vor der Eröffnung, in dem ich ganz allein durch die gerade aufgebaute Ausstellung gehe, als den eigentlichen Höhepunkt empfinde.

Frage: Was für Projekte haben Sie, außer dem HBG-Projekt zum kommenden 100-jährigen Jubiläum, noch gemacht?

MW: Das Hermann-Böse-Gymnasium ist Teil meines Projektes "bremen>AN<sichten", bei dem ich Atmosphären, Orte, Objekte und Architekturen in digitalen Fotos erfasse und in Bildern neu komponiere.
In einer ersten Ausstellung zu dieser Langzeitarbeit habe ich im Frühjahr 2002 eine Installation in den Räumen der Städti schen Galerie über das Gerichtshaus in Bremen gezeigt. Im Verlauf der vergangenen 5 Jahre habe ich rund 75 Themen fotografiert; von den klassischen Klischees Roland, Rathaus, Stadtmusikanten und Dom über die Kunsthalle, das Stahlwerk, die Böttcherstrasse, das Weserstadion, das Klärwerk in Seehausen; selbst die Psychiatrie Bremen-Ost und den Bunker Valentin, sowie die alte Silberschmiede von Koch&Bergfeld habe ich bearbeitet.

Frage: Was waren Ihre ersten Reaktionen, als Sie das Hermann-Böse-Gymnasium zum ersten Mal betraten?

MW: Zuerst habe ich auf die Architektur außen reagiert, dann auf die Atmosphäre im Inneren des Schulgebäudes.
Das HBG ist ein mächtiges, altes Bauwerk! Hier ist Bremer Baugeschichte bis heute mit Leben erfüllt. Ich habe mich gefragt, ob die Schüler und Lehrer eigentlich "stolz" sind, in dieser Schule zu sein?
Natürlich nagt der Zahn der Zeit an so einer Architektur. 100 Jahre gehen nicht spurlos vorbei. Es gibt dringende Reparaturen außen und innen. Aber über die Reparatur technischer Defekte hinaus ist die Atmosphäre prägend für das Wohlgefühl der Schüler und Lehrer.

Hier sehe ich einen ganz aktuellen, dringenden Bedarf an Renovierung, Ausbesserung und Verbesserung von Beleuchtung, von Bilderleisten, von Möblierung undundund.
Ein 100-jähriges Jubiläum kann man gut zum Anlass nehmen, sich von Ballast zu trennen, zu erneuern, zu öffnen, frischen Wind in die Räume und Gedanken zu lassen.
Schon mein erstes Gespräch mit der Schulleitung hat mir signalisiert, dass man so eine Öffnung der Schule anstrebt, dass man die Herausforderung der Zukunft annimmt und sich engagiert weiterentwickeln will.
Dieser deutliche Wunsch und Anspruch hat mich übrigens motiviert, dieses sehr schwierige Thema anzunehmen.
Zugleich war mir klar: Hier reichen keine schönen Bilder, hier muss ich mir über Ästhetik hinaus weitergehende Gedanken machen, muss mich auseinandersetzen, in die aktuellen Fragen von Bildung und Erziehung einsteigen und mit den Schülern und Lehrern zusammenarbeiten.

Frage: Was ist Ihr Ziel, das sie beim HBG-Projekt anstreben?

MW: Der "spirit" eines Ortes wie diesem liegt eigentlich in dem, was am Ort passiert. Hier geht es um junge Menschen, die auf ihr Leben vorbereitet werden, die Informationen bekommen und Strategien lernen, diese Informationen zu Wissen zu verbinden und damit ihr Leben zu gestalten. Hier geht es darum, dem Leben einen Sinn zu geben, Werte zu setzen, notwendige Qualitäten zu entwickeln und immer auch Spaß daran zu haben, bei der Entdeckung von Neuem seine Persönlichkeit weiter zu entwickeln.
Was kann ich mit meinem Schwerpunkt Kunst (digitale Medien) in diesem Zusammenhang leisten?
Wird man mich in der Schule als Eindringling empfinden oder wird man mich als Gesprächspartner annehmen, als Berater sehen, der den Vorteil bietet, sich unbelastet vom Arbeitsalltag umzusehen und zu argumentieren.
Sehr früh war mir klar, daß ich nicht nur Kunst als Ästhetik oder als Vision will. Ich hatte die Vorstellung der Intervention, des Eingriffs, der konkreten Veränderung dieses Ortes mit dem Ziel der kleinen Verbesserungen. So war mir nach meinen Recherchen im Bremer Staatsarchiv bereits im Juni 2004 klar: Das Gymnasium an der Hermann-Böse-Strasse müßte sich zu dem Namensgeber bekennen, müßte selbst Position beziehen, müßte sich umbenennen in Hermann-Böse-Gymnasium. In dieser Publikation nehme ich die mögliche Zukunft eines neuen Namens bereits vorweg - Antizipation ist eine Kraft von Kunst!

Als konkretes Beispiel für meinen Einstieg in das Projekt möchte ich mein Schreiben vom 22. September 2004 an den Bildungssenator Willi Lemke im Auszug zitieren:

"Die Leitung des Hermann-Böse-Gymnasiums hat mich angesprochen, im Rahmen meines Werkes "bremen>AN<sichten“"eine künstlerische Initiative für die 100-Jahresfeier des HBG im September 2005 zu entwickeln.
Mein Kunstkonzept sieht eine "KREATIVE OFFENSIVE" vor, die am 29.9.04 beginnt und 365 Tage (bis zur Jubiläumsfeier) andauert.
Ziel dieser Offensive ist es, die Schule zu öffnen und neue Wege der Verbindung von Schule, Stadt und Wirtschaft zu finden. Kunst bietet hierbei eine wirkungsvolle Möglichkeit zur innovativen Kommunikation.

Meine Arbeit stützt sich auf die These: In der aktuellen Informations- bzw. in der angestrebten Wissens-Gesellschaft muss jede Schule ein kulturelles Profil zeigen und darin seine Vision für gesellschaftliche Werte formulieren!
Ich vertrete in meiner Arbeit die Auffassung, dass über allen konkreten Anforderungen, Kernkompetenzen, Wissensbasen etc. grundlegende Kriterien für das Leben in der globalen Vernetzung stehen müssen. Hier sehe ich vier Kriterien:

# Ausdauer (Reproduktion)
# Kreativität (Mutation)
# Neugierde (Bewegung)
# Sinn (Orientierung)

Sinnbildlich sind dies die vier Säulen im Eingang des Hermann-Böse-Gymnasiums.
Diese Kriterien müssen innerhalb der Schule ebenso vernetzt sein, wie durch Kontakte nach "außen". Diese Kriterien dürfen nicht nur Anspruch sein, sondern müssen auch umgesetzt werden in Handlung. (...)
Erste Gespräche mit den Lehrern haben mir deutlich gemacht, dass die "Atmosphäre" von ganz besonderer Bedeutung für konkrete Umsetzungen ist.
Deshalb nimmt die positive Gestaltung dieser Atmosphäre eine wichtige Position ein.
Ich wende mich auf diesem Wege mit der Bitte an Sie, das Hermann-Böse-Gymnasium bei seiner angestrebten Öffnung ausdrücklich zu ermutigen und zu unterstützen.
Um ein sichtbares Zeichen für notwendige Erneuerung zu setzen, möchte ich Sie darum bitten, die über dem Bauwerk zögerlich "schwebende" Renovierung im Zuge des Möglichen zu beschleunigen, so dass außen wie auch innen durch frischen Anstrich und Möblierung eine positive Aufbruchstimmung erzeugt wird."

Frage: Wie haben Sie eigentlich ihre eigene Schulzeit erlebt?

MW: Ich habe mir damals immer wieder die Frage gestellt, ob ich das, was ich hier lerne im Leben wirklich brauche.
Was mein Leben wirklich geprägt hat, das war ein etwa 10 cm starkes Lexikon, das ich als 10-Jähriger von meinen Eltern zum Geburtstag bekam. Dieses Lexikon habe ich gelesen wie ein Buch. Immer wieder. Das Lexikon hat mich neugierig gemacht, und diese Erfahrung hat mich bis heute geprägt!

Frage: Was verbirgt sich hinter dem Titel des geplanten Buches "Leben>Lernen>>Leben" ?

MW: Es ist ein Arbeitstitel, der aussagen soll, dass man ständig lernen muss, um über(!)leben zu können.
"Lernen" ist für mich in keiner Weise negativ als unbequeme Arbeit belegt. Ich lerne ständig durch Hinsehen, durch Fragen und Tun. Leben heißt Lernen! Es macht mir Spaß, die Welt in ihren schillernden Facetten zu entdecken, ob es um eine Theoriediskussion geht oder um persönliche Probleme oder um die Reparatur eines tropfenden Wasserhahns.
Fragen sind dabei die Schlüssel zur Welt! Einige konkrete Fragen lauten:
Wie eignen wir uns Kenntnisse an, um so ein Buch zu machen? Wie finanzieren wir so ein Projekt? Wie verteilen wir das Buch? Wen wollen wir ansprechen? Wie kann man Vergangenheit für die Zukunft lebendig halten? Wie können wir Anregungen zu einem kulturellen Profil des HBG geben? Wie kann Lernen mehr Spaß machen? Wie kann die Schule von morgen aussehen? Welche Probleme haben die Schüler?
Welche Qualitäten werden generell benötigt, um die High-Tech-Zukunft verstehen und bewältigen zu können? Welche Bedeutung hat dabei die Kreativität? Wie kann man Kreativivät stimulieren und steigern? Welche Gemeinsamkeiten haben Künstler und Unternehmer und wie kann man diese Gemeinsamkeiten produktiv für beide umsetzen? Wie kann man aus Informationen Wissen gewinnen und wie kann man Wissen in einer gelebten Erfahrungen vernetzen?

Frage: Gibt es irgendetwas, das Sie den Schülern auf diesem Wege mitteilen möchten?

MW: Ich habe keine spezielle "Botschaft". Was wichtig ist, liegt auf der Hand. Also werde ich den Schülern sagen: Macht euch neugierig, macht die Augen auf, hört genau zu und vergesst auch nicht zu riechen und zu schmecken und zu fühlen! Teilt euer Leben nicht in Arbeit und Freizeit!
Die Welt mit kritischem Wohlwollen betrachten, immer und überall Fragen stellen und sich engagieren ist nicht lästig, sondern im Gegenteil das Salz in der Suppe...

© MikeWeisser.de - Bremen 2005