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Margarete Krau
Empirische Befragung zur Dissertation an der Universität in Münster, bei Professor Heitkämper über das Thema "Bild, Bildung, Computerkunst". März 2001.



1. Name
Michael Weisser

2. Künstlerischer Werdegang
Studium der sakralen Malerei, experimentellen Malerei und freien Grafik an der Fachhochschule für Künste in Köln. Abschlußexamen in experimenteller Malerei (grad.des.).
Anschlußstudium der Kunstgeschichte, in Kombination mit Kommunikationswissenschaft, Soziologie, Politologie und Erziehungswissenschaft an den Universitäten in Bonn und Marburg.

3. Wann haben Sie das erste Mal das Medium Computer für die Kunst genutzt?
Im Jahr 1984 entwickelte ich über Bilderscans und Scan-Errors erste digitale Texturen.

4. In welchen Techniken haben Sie gearbeitet, bevor Sie zur Computerkunst kamen?
Klassische Ei-Temperamalerei auf Halbkreidegründen, Aquarell, Collagen, Mischtechniken, Serielle Grafik, Fotografie, Video.

5. Wie sind Sie zur Computerkunst gelangt?
a) durch Interesse am neuen Medium
Ja.
b) durch die Möglichkeit der Erweiterung der Kunst
Ja - der Spirit der Kunst liegt in der Expansion, dem Überschreiten ihrer Grenzen, dem Betreten von Neuland.
c) Neugierde
Ja - Leben ist Neugierde, und Kunst ist allemal Neugiede.
d) Zufall
Ja - Leben ist Zufall, und Kunst spielt immer mit dem Zufall.
e) andere Möglichkeiten
Ja - durch den Auftrag der Bremer Mathematiker um Prof. Peitgen, erstmals die Ergebnisse der komplexen Dynamik (Mandelbrotfiguren) zu ästhetisieren und in die Kunstdiskussion einzuführen. Es entstanden Bildserien, die ich in der Galerie in der Böttcherstrasse Mai/Juni 1985 präsentierte und die in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Insitut in einer weltweiten Wanderausstellung (USA, Japan, Frankreich etc.) gezeigt wurden.

6. Was fasziniert Sie an der Arbeit mit dem Computer?
6.1. Er reagiert auf mich, indem er mich spiegelt.
6.2. Ich reagiere auf ihn, auf meine Reaktion als seine Reaktion.
6.3. Er hebt für mich auf und er hält bereit, er regt mich an und nervt.

7. In welcher Zeit arbeiten Sie am Computer?
a) Morgens
b) am Tage
c) Nachts
Zu ALLEN Zeiten!

8. Wieviel Stunden arbeiten Sie täglich am Computer?
8-12 Stunden.

9. Ein gemaltes Bild ist bei Künstlern wie ein Teil von einem selbst. Ist das Gefühl bei Computerbildern
a) ähnlich?
b) anders?
c) wenn anders, wie?
Es ist ein Bild, das man mit einem Werkzeug geschaffen hat. Je nach Intensität des Schaffensprozesse wird es dann Teil von einem selbst, wenn man die Intensität im Bild wiederfindet, die man aufgewandt und eingesetzt hat.

10. Ersetzt bei der Ausübung der Computerkunst die Maus bzw. die Tastatur z. B. den Pinsel?
Der Zugriff auf den Computer ist nicht zu vergleichen mit dem Pinsel. Der Pinsel läßt sich auf analoge Weise unmittelbar einsetzen, er gehorcht jeder Nyance von Bewegung, setzt Gefühle direkt um, die Farbe ist in direkter manueller Weise aufzutragen, während die Gestaltung über die Maus immer vermittelt wird. Die Nähe zum Werk ist bei einem Bild, das allein im Computer entsteht, bei weitem nicht so direkt, wie im Fall der Malerei mit dem Pinsel, der Zeichnung mit dem Stift, dem Kratzen der Radiernadel, dem Schnitt des Messers im Holz.

11. Fehlt Ihnen bei der Arbeit am Computer z. B. der Farbgeruch oder andere Sinneswahrnehmungen?
Ja. Der Rechner vermittelt eine andere, reine, sterile aber doch in sich eigenwillig-reizvolle Art von Intensität. Er spricht den Intellekt an, fordert die Auseinandersetzung auf abstraktem Niveau. Es fehlt insbesondere die Sinnlichkeit von Gerüchen, wie sie von Farben, Bindern, Lösungsmitteln, Leinwänden, Holz, Linoleum, Leim ausgeht.
Da solche Gerüche überaus stimulierend sind, die Fantasie auf die Reise schicken, die Gefühle anregen, aromatisiere ich gerne den Raum durch den Duft von frischem Kaffee, einer Zigarre, Weihrauch, Parfums...
Als dringend notwendige Ergänzung zur Arbeit am Computer stimuliere und schärfe ich meine Sinneswahrnehmungen durch lange Aufenthalte auf der Insel Mallorca. Hier male ich traditionell mit Acryl auf eine frei gespannte Leinwand. Mit dem Pinsel setze ich farbige „dots“ oder „pixel“ auf diese grundierte Leinwand und schichte diese Punkte in leichten Farbnuancen zwischen Gelb, Rot und Grün, so daß eine flimmernde Fläche entsteht. Auf der Fläche schichten sich über viele Tage hinweg bis zu 30.000 solcher Punkte. Irgendwann ist intuitiv die Entscheidung getroffen, daß dieses amorphe Feld „fertig“ ist.
Diese „analogen“ Pinsel-Punkte finden im Atelier die Entsprechung in den „digitalen“ Dots, aus denen sich die Arbeiten am Computer bilden.

12. Welche Rolle spielt in Ihrer Arbeit die Farbe?
Sind Sie mit der Qualität der Farben des Computerbildes zufrieden?
Die Arbeit am Computer ist nicht in einer Konkurrenz (also im direkten Vergleich) zu den traditionellen Techniken der Malerei oder Grafik zu sehen. Es ist ein eigenes Medium mit eigenen Bedingungen. Diese Bedingungen setzen klare Grenzen aber eröffnen auch weitgesteckte Möglichkeiten.
Die digitale Welt ist in ihrer Sinnlichkeit enorm eingeschränkt aber gerade diese digitale Askese fordert mich, meine Sinnlichkeit anders einzusetzen, sie zu fokussieren auf spezielle Formen, Transformationen, Variationen, die nur der Computer als neues Medium möglich macht.
Farbe am Computer ist ein Zustand, der durchstrahlt wird, es ist nicht das Pigment, das das auftreffende Licht in einer speziellen Wellenlänge reflektiert, sondern es ist eine künstliche, eigene Strahlungsquelle, die erzeugt wird von Binärcodes. Verfügt man über diesen Code kann man die Farben erzeugen ohne sie gemalt haben zu müssen. Es ist also eine immaterielle Malerei.
Nicht nur die Farbe als Wellenlänge ist für ein Bild bedeutsam, sondern auch die Plastizität, also die Stärke des Auftrags und der Duktus des Auftrags; Qualitäten, die beim Computerprintout nicht zu erzielen sind.
Da ich die Grenzen des Farbausdrucks kenne und sie akzeptiere, habe ich keine Probleme mit diesen Einschränkungen. Für mich wird der Einsatz des Computers in meiner Form von Kunst erst dort interessant, wo ich über den Computer erzielte Ergebnisse mit traditionellen Kunstformen zu einer Mischtechnik verschmelze. Das reine Ergebnis aus dem Computer würde mich nicht befriedigen, so wie mich der Computer auch in seinen anderen Leistungen nicht befriedigt. Er ist ein neuer Bestandteil dieser Welt, bei weitem nicht der einzige.

13. Fühlen Sie sich durch die Computergeräusche bei der Arbeit beeinträchtigt?
Mein MAC gibt ein leises Summen durch die Ventilation von sich. Dieser wird zu einem Hintergrundgeräusch, das man de facto nicht mehr hört. Die Festplatte surrt manchmal, doch diesen Klang empfinde ich als als angenehm, suggeriert er mir doch, daß der Rechner ein Eigenleben hat. Musik ist bei meiner Arbeit allerdings wie auch Düfte zur Stimulation sehr wichtig. Da ich den Rechner zwischen zwei stereophonen HiFi-Boxen plaziert habe, höre ich bei der Arbeit am Computer ständig Musik.
Als Creative Director eines Musiklabels arbeite ich bei manchen Projekten auch als Producer und schaffe mir derart in Kooperation mit Musikern genau die Klangwelten, die mich persönlich am meisten anregen.

14. Welche Sinne werden angeregt?
a) Wird das Auge angesprochen
Ja - der Computer ist mit seinem 21 Zoll Bildschirm visuell orientiert.
b) Wird der Geist aktiviert
Ja - der Computer fordert ständig rationale Qualitäten. In der Bedienung der komplexen Programme ebenso wie in der Lösung von Softwareproblemen.
c) Bleibt der Geist unbeteiligt
Nein - nur in dem Moment, in dem der Computer längere Bildveränderungen berechnet, bleibt Zeit, einen Tee zu machen.
d) Welche anderen Sinne werden angeregt?
Der Computer ist eigentlich unsinnlich. Er riecht nicht, er schmeckt nicht...

15. Steigert die Arbeit am Computer Ihre Kreativität?
Jedes Arbeitsmittel gibt meiner Kreativität Möglichkeiten, sich zu entfalten und zu entwickeln, so auch der Computer, der Scanner, der Drucker, das Internet...

16. Können Sie alle künstlerischen Konzepte in der Computerkunst umsetzten?
a) z. B. Ideen
Kunst ist nur ein Medium, es hat seine Qualitäten, ist aber nicht universell für alles als Ausdrucksträger zu nutzen. Der Computer berechnet, mehr kann nicht. Ich gebe über die Tastatur einen Code ein und erhalte das Ergebnis auf dem Bildschirm, dann entscheide ich mich für einen Ausdruck auf Papier. Ich nutze die unterschiedlichen Medien je nach ihren Stärken. Ideen skizziere ich immer auf Papier, das ist der schnellste Weg. Texte schreibe ich fast immer direkt in den Rechner. Für kurze Mitteilungen wähle ich die e-mail, Dokumente schicke ich immer als Fax...
b) Wo stoßen Sie an Grenzen?
Jedes Medium bietet Chancen und hat zugleich seine Grenzen. Der Computer ist nur eine Möglichkeit und zwar eine, die noch viele (bislang unerkannte) Probleme mitsich bringen wird: Gesundheitliche Schäden für die Haltung und besonders für die Augen. In Zukunft wird es ein großes Problem geben: gemeint sind gravierende Datenprobleme, wenn die ersten Festplatten wegen Überalterung crashen. Aber andererseits; haben wir nicht schon viel zu viel Informationen, die unsere Welt zumüllen? Ist das ein Crash mit Datenverlust nicht wie eine Erlösung...

17. Wie bereiten Sie sich auf die Arbeit vor?
a) mit einem Konzept
Ich arbeite immer nach einem Konzept.
b) intuitiv
Wenn ich an einem Konzept arbeite, kann der Zufall durch einen „error“ einen neuen Weg erschließen, diesem gehe ich nach. Manchmal ist der Fehler selber schon der Anfang einer neuen Arbeit.

18. Welche Möglichkeiten eröffnet die Computertechnik der Computerkunst?
a) unerschöpflich
Zur Unerschöpflichkeit menschlicher Visionen bedarf es keiner Computerkunst. Zudem ist noch keineswegs belegt, daß es „Computerkunst“ gibt, denn alle ernst zunehmenden, traditionellen Kunstinstitutionen haben bislang die Kunst aus oder mit dem Computer ignoriert.
b) welche Entwicklungen sind vorstellbar?
Sehr gut vorstellbar ist eine Renaissance des Originals. Weg von der Massenproduktion der Bilder, wie sie das Medium Fernsehen erzeugt. Weg von der Beliebigkeit der Bilder, wie sie durch die Fotografie möglich wird. Hin und zurück zur originären Schöpfung, die nur im Hier und Jetzt entsteht und nur im Hier und Jetzt rezipiert wird.
c) wo sind die Grenzen?
Die Grenzen liegen letztlich immer in der menschlichen Fantasie und im aktuellen Entwicklungsstand der Technik.

19. Computerkunst kann durch das Internet sofort verbreitet werden. Nutzen Sie dieses Medium?
Das Internet macht den Zugriff auf Abbildungen und Texte möglich. Das Internet informiert. Eine eigene Kunstform hingegen wird mit den Möglichkeiten der html-Programierung und der Bereithaltung auf einem Server nur in wenigen Fällen möglich und angeboten.
Da das Internet die traditionellen Institutionen der Kunstvermittlung überwindet, aber bislang nur diese Instituitionen aus Bildern Kunst machen, ist das Internet selber nicht in der Lage, Kunst hervorzubringen. Kunst auch im Internet kann zwar behauptet werden, doch solange diese Behauptung eines Anbieters nicht von der Kunstszene bestätigt wird, ist Internet nur Internet, nicht aber Kunst.
Da Kunst im sozialen Kontext und in Diskursen kommuniziert wird, erweist sich das Internet als ungeeignet, weil das Internet zwar vom Subjekt aber nicht in der Gruppe, im Akt des Events (Vernissage) genutzt wird.
Mit der Domain www.cogitoergosum.de habe ich versucht, für das Internet eine adäquate Kunstform zu entwickeln, die Text, Tasten, Links, Animationen, Bilder und Klänge verbindet. Dieses Werk kann über das Internet abgerufen werden, bzw. es realisiert sich über das Internet; es kann aber nicht kommuniziert werden, weil jeder Abrufer sich ganz individuell auf dieses Angebot einläßt.

20. Welche Bedeutung hat für Sie die Möglichkeit, diese Kunstform im Internet zu verbreiten?
Es ist für den Künstler überaus sinnvoll, Daten über sich und seine Arbeit im Internet bereitzuhalten, um schnell und global informieren zu können.
Aber die Verbreitung einer Kunstform im Internet halte ich langfristig nicht für interessant.

21. In welcher Form erhalten Sie ein feedback vom Kunstinteressierten?
a) über E-mail
Wenn sich jemand informieren will.
b) telefonisch
Um Kontakte, Projekte zu besprechen.
c) postalisch
Um Kontakte, Projekte zu besprechen.
d) persönlich
Das direkte Gespräch, das Zusammensein vor einem Werk ist die eigentliche, intensive Form eines feedback.
e) andere Formen
Rezensionen sind ebenso ein feed-back, wie Einladungen, an Ausstellungen teilzunehmen.

22. Haben Sie Kontakt mit anderen Internet-Künstlern? (Konferenzen)
Nein.

23. Wer interessiert sich für Ihre Kunst?
a) Jugendliche
b) Frauen
c) Männer
d) Welche Altersgruppen?
e) Welche Bevölkerungsschicht?
Das ist nicht auszumachen. Interessieren kann sich jeder, der "sieht" und "erkennt". Kaufen kann nur der, der die Kaufkraft hat und diese für den Kauf von Kunst einsetzen will.

24. Sehen Sie für die Computerkunst einen gesellschaftlichen Auftrag?
a) ja
b) nein
c) wenn ja, welchen?
Jede Form von Kunst wirkt auf das gesellschaftliche Umfeld. Einen „politisch-sozialen“ ausdrücklichen Auftrag sehe ich nicht in der Computerkunst. Den sehe ich in dieser einengenden Form in keiner Kunst, denn die Erfüllung eines Auftrags ist Sache einer guten Gebrauchsgrafik.
Kunst ist Provokation, Stimulation oder Dekoration.

25. Können Sie die Bildentstehung am Computer nachvollziehen?
Nein, die Fragen der technischen Entstehung interessiert mich auch nicht.

26. Welche Rolle spielt für Sie der Zufall (Überraschung) bei der Realisierung der ästhetischen Idee im Computerbild!
Der Zufall ist ein substanzieller Bestandteil des Lebens schlechthin. In der Vererbung nimmt der Zufall in Form der Mutation Gestalt an.
Überraschung ist das Salz in der Suppe der Kunst. Wer viel arbeitet, der bewegt sich viel, und wer sich bewegt, der erlebt viele Überraschungen.

27. Welche Bedeutung hat für Sie der Wirklichkeitsverlust und die Immaterialität des Computerbildes!
Ein Verlust an Wirklichkeit setzt sozial vermittelte Wirklichkeit voraus. Wirklichkeit ist Behauptung, denn offensichtlich erlebt jeder Mensch seine eigene Wirklichkeit. Nicht nur die digitale Manipulation lügt, sondern bereits die klassische Fotomontage und Retusche haben gelogen, und der Fotograf, der einen Ausschnitt wählt, selektiert bereits Wirklichkeit. Frage: Ist Wirklichkeit wichtig ? Wichtiger erscheinen doch Fantasien, den diese sind gewollt und nicht Wirklichkeit. Wäre Kunst Wirklichkeit, wäre Kunst nicht Kunst, sondern Wirklichkeit.
Die Frage nach dem, was im Umgang mit dem Computer Kunst sein soll, kann mehrfach beantwortet werden:
1. Das Bild auf dem Bildschirm in seiner ureigenen Durchstrahlung, dieses Bild ist immateriell.
2. Die Immaterialität des Computerbildes ist dann überwunden, wenn man es ausdruckt.
2.1. das auf dem Laserdrucker ausgedruckte Bild,
2.2. das auf dem Plotter ausgezeichnete Bild,
2.3. das auf dem Matrixdrucker ausgedruckte Bild
2.4. das auf dem Tintenstrahldrucker ausgedruckte Bild...
bereits hier wird deutlich, daß die Technik das Sein bestimmt, so wie das gewählte Bildbearbeitungsprogramm die Erscheinung des Bildes bestimmt.
Das Ergebnis ist zurückzuführen auf das Werkzeug ! So auch bei der Computerkunst.

28. Die Simulation ersetzt eine Realität durch täuschend ähnliche Bilder: Nutzen Sie die Simulationsmöglichkeiten in der Computerkunst?
Nicht die Simulation schafft ähnliche Bilder, sondern die Mutation. In der Tat liegt hier eines der großen Probleme der Computerkunst, denn Bildverarbeitungsprogramme wie Photoshop liefern die Werkzeuge (Tools, Filter) für die nahezu unendliche Mutation eines einzigen Bildes.
Liegt demnach der schöpferisch-künstlerische Akt nicht in der Anfertigung, sondern vielmehr in der Auswahl dessen, das man letztendlich als Kunst bezeichnet?

29. Durch die Zunahme an Indiffferenz, Unstabilität und
Variationsmöglichkeit des Computerbildes stellt die Position des Künstlers zunehmend in Frage. Stört Sie die Selbständigkeit des Mediums?
Die Problematik der Beliebigkeit teilt der Computer mit allen Medien der Massenproduktion. Ich denke, der Computer wird in der Erschaffung von Kunstformen hoffnungslos überbewertet. Der Computer schafft keine Kunst. Nicht einmal der Künstler schafft Kunst. Der Künstler kann den Anspruch stellen, Kunst geschaffen zu haben, er kann es behaupten. Aber ob diese Behauptung verifiziert wird, bleibt jener schillernden, sozialen Interaktionsform vorbehalten, die sich zwischen Vernissage, Rezension, Katalog, Anbieter, Aussteller und Käufer abspielt. Kunst wird dann erst zur Kunst, wenn sie eine länge Zeit gewollt wurde. Ansonsten bleibt es ein einfaches Bild, das über dem Sofa hängt.

30. Hat Ihre Kunst einen Bildungsauftrag?
a) an Schulen
b) in der Gesellschaft
Wer Kunst mit dem Anspruch schafft, Bildung erzeugen zu wollen, sollte besser ein Lehrbuch schreiben als ein Bild zu malen.
Kunst entfaltet dort ihre individuelle wie soziale Brisanz, wo sie ohne wenn und aber kompromisslos gemacht wird. Entweder sie vergeht oder sie wird wahrgenommen. Und wenn sie wahrgenommen wird, dann mag sie dabei auch bilden.

31. Ergeben sich Ansätze für eine neue Bildungstheorie?
Wenn ja, welche?
Die Nutzung des Computers in der Kunstproduktion ist bei Weitem zu frisch, um jetzt schon Ansätze einer Theorie zuzulassen. Um diese neue Kunstform Teil der gesellschaftlichen Diskussion und Empfindung werden zu lassen müssen die Ergebnisse erst einmal ausgestellt und gesehen werden. Ausstellen und Sehen und Abwarten...x)

x) Die Sammlung "Computerkunst", die Michael Weisser in den frühen 80er Jahren aufgebaut hat, ging im Jahr 2000 als Schenkung komplett an den Bremer Kunstverein.

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