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„Auf der Suche nach der mallorquinischen Kultur“
Michael Weisser
(für das Mallorca-Magazin / Palma / 2002)

„Gibt es eine mallorcinische Kultur – und wie drückt sie sich aus?“ - diese Frage stellte der Landesbeauftragte der Balearen in Berlin Josep Moll Marquès letzthin öffentlich und es wäre unangemessen, diese einsam für sich stehen und verblassen zu lassen.
Worum geht es ?

Über mallorcinische Kultur wird auf Mallorca in ganz besonderer Weise nachgedacht, seit sich die Mallorciner in den letzten Jahren zunehmend bedrängt fühlen, weil sie unmittelbar betroffen sind. Sie fühlen sich bedrängt von den Touristen, den neuen Invasoren, den Ausländern, bedrängt vornehmlich von den Deutschen, die sich nicht mehr mit den Bettenburgen von Arenal begnügen sondern die von der Küste aus in Massen in das Land eingedrungen sind und dabei mehr und mehr das tägliche Leben dieser Insel verändern. Land haben Sie gekauft. Häuser haben sie gekauft. Und damit wurden sie plötzlich zu direkten Lebens-Nachbarn. Und zusammengerottet haben sie sich, haben Enklaven gebildet, bevölkern ganze Hügel Grundstück an Grundstück, und viele signalisieren damit die Abgrenzung, unter sich sein und bleiben zu wollen.

Deutsche Mentalität als Wesenszug deutscher Kultur hat Einzug gehalten auf der spanischen Insel Mallorca - so scheint es. Das Warenangebot hat sich verändert, ist teilweise so differenziert geworden, wie im deutschen Fachhandel; an der Kasse spricht man deutsch, in der Bank spricht man deutsch, und viele Warenschilder sprechen mittlerweile deutsch. Doch bei der Sprache allein ist es nicht geblieben. Auch den Zeittakt auf der Insel haben sie verändert, so könnte man den Deutschen unterstellen: Wo man früher mit dem Handwerker „mañana“ ausmachte, und er kam, wie es dann passte vielleicht übermorgen, drängte man alsbald zum „hoy“, zum heute, hier und jetzt als stets mahnenden Glockenschlag der deutschen Präzision. Von da ab war ein Teil der mallorcinischen Wesensart, nämlich an mediterraner Gemütlichkeit vorbei.

Mit der verführerischen Kraft ihres Geldes haben die deutschen Invasoren als Investoren die Gier der mallorcinischen Verkäufer immer wieder neu angestachelt und ihr Nahrung gegeben. Beide Kulturen haben im Geld einen gemeinsamen Fetisch, eine gemeinsame Sprache gefunden, Angebot und Nachfrage umbuhlten sich, reizten sich, peitschten sich auf. Diese Spirale hat sich gedreht, ist immer schneller geworden durch eine stete Flut von Fernsehübertragungen von Mallorca, Berichten über Mallorca und Spielfilmen auf Mallorca. Mallorca war in aller Augen, in allen Ohren und in aller Munde, Neugierde paarte sich mit dem Gefühl dabei sein zu wollen, nein, dabei sein zu müssen!

Der Boom wurde zum „Hype“, und die drohende Umstellung von D-Mark auf Euro am 1.1.2002 goss Kerosin in das Feuer. Schwarzgeld schrie danach, in letzter Sekunde gewaschen zu werden. Sehen wir es nüchtern: Der Kauf von Grundstück und Immobilie und der Ausbau von der verfallenen Bauernkate zur repräsentativen Landvilla mit Pool und Palmenhain ließen sich offiziell auf lukrative und zugleich einfach Weise verschleiern. Mehr noch: Die Umschichtung von Werten wurde nicht nur zum Kaufargument auf der einen Seite, sondern auch aktiv als Verkaufsargument auf der anderen Seite genutzt. Die beiden Geschäftspartner beriefen sich auf die gleiche Logik ihres Profits, und so schienen letztlich alle zufrieden, denn unbrauchbar gewordenes Bauernland wurde zum Goldclaim

Die Bauindustrie boomte wie kaum zuvor. Die „Abogados“ und die „Gestorias“, die „Arquitectos“, die „Aparelladores“ und die „Notarios“ schrieben ihre Rechungen. Der Baustoffhandel und der Einzelhandel belieferten die neuen Kunden mit einem zunehmend angepassten und breit gefächerten Sortiment, das man vorher nicht kannte. Und nicht zu vergessen, auch die Gemeinden und die Inselregierung verdienten nachhaltig an diesem Boom. Die ausgebauten Häuser als wichtige Grundlage für die Vermögenssteuer wurden unvermittelt von einem Vermessungs-Team in ihrer wahren Dimension erfasst, wurden neu bewertet und damit drastisch teurer. Die ehemals so leger jährlich in bar im „Ajuntament“ bezahlten paar Peseten für die Grundsteuer wurden ebenfalls sichtlich erhöht, waren plötzlich per Computer erfasst und wurden automatisch per Lastschrift direkt vom Konto eingezogen. Die NIF-Steueridentifikationsnummer registrierte jeden größeren Baustoff-Einkauf der neuen Grundbesitzer und mahnten diese größere Projekte tunlichst offiziell anzumelden. Dann schlich sich irgendwann die erste Rechnung für „Aigues i Fems“ in das Bankfach. Alle wollten im Verlauf von etwa 8 Jahren bei dieser rasanten und profitablen Entwicklung auf dem fahrenden Zug dabei sein.

Aber irgendwann im Verlauf dieser rasenden Fahrt keimten unter den Bürgern von Mallorca Zweifel auf, ob es denn wirklich gut sei, wie diese dramatisch schnelle und nachhaltige Entwicklung vonstatten ging. Die Gemeinden begannen sich gegen die Flut der Bauanträge zu wehren, die das Land zersiedelten und in deren Folge die stets neuen und tieferen Brunnenbohrungen immer mehr Grundwasser absogen. Die Strassen wurden zu klein, die Altstädte waren plötzlich hoffnungslos verstopft, die Wochenmärkte überfüllt. Müllberge sammelten sich an, Stromtransformatoren waren überlastet und von dramatischer Wassernot war die Rede. Die Einwohner begannen sich zunehmend unwohl zu fühlen, denn nach den Fincen wurden immer mehr Stadthäuser von den Fremden übernommen, die zumeist nur zu Ostern, im Sommer, im Herbst oder über Weihnachten da waren. Die Strassen veränderten ihre Atmosphäre. Das einst große Wohnzimmer wurde saisonal zum öffentlichen, fremden Raum der Fremden.

Irgendwann addierten sich die vielen einzelnen, oft kleinen Faktoren zu einer relevanten Summe, schmolzen zur kritischen Masse, von der sich die Gastgeber zunehmend bedroht fühlten. Es wuchs das Unbehagen, dass das eigene Land und die darin gewachsene Kultur mit ihren Eigenheiten und Werten nicht mehr den Menschen dieser Kultur gehört, sondern den Fremden, die in ihren Häusern saßen, die festungsartig als Sommersitz ausgebaut, mit Bastmatten abgeschirmt und manchmal gar mit dem Aufwand einer Wehranlage errichtet wurden. Zugegeben, es waren die Mallorciner, die ihr eigenes Land aus freien Stücken (in der Gier nach schnellem Geld) verkauft haben, ohne an ihre Nachkommen oder gar an ihre Kulturwerte zu denken – und man kann sich gut vorstellen, wie sehr sich mancher Bauer die Hände gerieben hat, dass ein dummer Ausländer einen derart wertlosen Stein-Acker für so viel Geld gekauft hat, denn weder Mandeln, noch Algaroffas, noch Schafzucht auf der Finca versprachen noch einen nennenswerten Gewinn.

Die Käufer ihrerseits haben vertrocknetes Land zu blühenden Gärten gestaltet und alte Ruinen zu neuem Leben erweckt. Die Insel ist schön geworden, ist belebt von einem Tourismus in den Hotelanlagen am Meer und von einem Tourismus in den Ortschaften und auf dem umliegenden Land. Gewaltige Kaufkraft ist freigesetzt von jenen finanziell Privilegierten, die sich den Luxus eines Ferienhauses oftmals in der aufwendigen Qualität eines Chalaits leisten können.

Wo also liegt bei dieser gesamtgesellschaftlich positiv anmutenden Umschichtung von Werten das Problem ? Woher kommt die Unzufriedenheit, wo doch alle Beteiligten an diesem Spiel verdient (sprich: gewonnen) zu haben scheinen. Woher kommen die Klagen und was wird angeklagt?

Den Mallorcinern ist aufgefallen, dass der Segen der Fremden auch negative Konsequenzen hat. Nachhaltige Konsequenzen für die Belastung der Insel und für die eigene Identität. Dann nämlich, wenn die Fremden nicht mehr vereinzelt als Fremde erscheinen, sondern kontinuierlich in der Masse präsent sind. Eine fremde Masse kann erdrücken, bedrohen, aggressiv machen, ja auch ungerecht werden lassen.

Diese Reaktion der Mallorciner ist seit einiger Zeit festzustellen. Und die Deutschen empfinden diese Reaktion (aus ihrer Sicht verständlich) als unangemessen, ja ungerecht. Und dies, obwohl sie doch zuhause in Deutschland ebenfalls seit einiger Zeit schon eine fremde Masse, als kritische Masse empfinden, nämlich die Asylanten, die Einwanderer, die Fremden aus dem Osten und die Wirtschafts-Asylanten aus allen Teilen der Welt. Befinden wir uns in einem Zeitalter der Völkerwanderung, also einer Massen-Bewegung von Menschen aus dem Osten in Richtung Westen ? Für die Mallorciner kommen die Deutschen genau genommen auch aus dem Osten... und alle die wandern sind Suchende. Alle die Wandern wollen sich verbessern. Die kein Geld haben, suchen den Wohlstand, die Gehetzten suchen die Entspannung, die im deutschen Regen suchen die mallorcinische Sonne...

Suchen die Deutschen auf Mallorca wirklich nur die Sonne ? Suchen und genießen Sie in der Mehrzahl nicht auch das Andere, des Neue, das Fremde, eben jene Qualitäten, die eine andere Kultur ausmachen. Das, was die Mallorciner in dieser Zeit zu verlieren befürchten ist doch zugleich das, was die Deutschen (und auch die Touristen anderer Nationen und Kulturen) auf der Insel suchen. Wie viele hunderttausende von Automietern gibt es in einer Saison auf Mallorca? Das Auto steht für Bewegung, und Bewegung verbindet Orte, gibt Sichten frei, fördert Begegnungen, eröffnet An-Sichten aber auch Ein-Sichten!

Die Diskussion über die mallorcinische Kultur, ihre Ursprünge, ihre Besonderheiten und ihre ganz spezifischen Ausdrucksformen kommt in einer Zeit auf, in der sich die Menschen dieser Kultur „okkupiert“ fühlen. Unter dem Druck der Besetzung hat sich historisch immer der Gegendruck einer nationalistischen Opposition gebildet. Die Angst um den Verlust der eigenen Identität, der eigenen kulturellen Werte hängt mit der Sorge zusammen, im eigenen Land noch immer wirklich in der Mehrheit zu sein oder dominiert zu werden von fremden Worten und Werten...

Die erste, deutlich ablesbare Reaktion der Mallorciner auf den Einzug der neuen deutschen Kultur in das Herz ihrer Dörfer, war interessanter Weise die strikte Rückbesinnung auf ihre eigene Sprache. Sprache ist die intimste Form der Kultur, weil nichts so sehr verbindet, wie die Sprache, die Grundlage eines jeden menschlichen Austausches von Informationen, von Meinungen und von Gefühlen. Diese Rückbesinnung der Mallorciner auf ihre Sprache treibt jedoch derart groteske Blüten, dass im kleinen Ort Artà an der Nordostküste der Insel eine aufwendige Tourismuswerbung (die sich ja ausdrücklich an die Fremden richtet) mit Schautafeln und Texten in Mallorcin angeboten wird. Erst ein kleines, fotokopiertes Begleitblatt, das sich der Besucher der Show am Tresen erbitten muss, erläutert in dürren Sätzen auf spanisch, deutsch, englisch und französisch, was die aufwendige Präsentation eigentlich sagen will.

Es steht außer jeden Zweifel, Mallorca hat Kultur und zwar für eine kleine Insel mit bewegter Geschichte eine überaus komplexe und interessante Kultur. Im Kern ist Mallorca sogar geprägt von drei Kulturformen:

1. Die ländliche Finca-Kultur erfasst die vielfältigen Eigenheiten des Landes, des Campo mit seinen Pflanzen, Bäumen und Tieren. Sie erfasst die Fertigkeiten des Umgangs mit den Jahreszeiten, sowie die Kultivierung, Veredelung, Züchtung. Sie erfasst Rituale, wie die Schlachtung (Mantanzas) im Kreis der großen Familie auf der Finca, die Herstellung von Käse- und Wurst, das Ernten und Verarbeiten von Mandeln, Algaroffas, den Trockentomaten und allen Früchten, die der „Campo“ bietet. Diese Kultur des Campo baut Weine an, keltert, brennt Schnäpse und Liköre wie die „Hierbas“, den „Mescladis“ oder den „Palo“.
Viele dieser Traditionen sind in ihrem Fortbestand gefährdet, aber nicht durch die Deutschen, sondern weil Handarbeit rein ökonomisch gesehen nicht mehr wirtschaftlich ist.

2. Die Dorf/Stadt-Kultur erfasst das Zusammenleben der Menschen, ihre Formen von dichter Kommunikation, das Arbeiten in den vielfältigen Handwerksbetrieben, die religiöse Verbundenheit, die zahlreichen „Fiestas“ mit ihrer Musik und ihren Tänzen, die Rituale der Büßer-Umzüge zu Ostern, die Feuerteufel und Feuerwerke im Sommer und die bunten Märkte, auf denen die Ingredienzien für die „Cuina mallorcina“ angeboten werden. Im Dorf entstand die mallorcinische Küche und die große Architektur, hier entwarfen die Baumeister die zahllosen Kirchen, die Rathäuser, die Bürgerhäuser.

3. Die Kultur der Metropole Palma schließlich erfasst das Flair der Großstadt, bietet in konzentrierter Form, auf verdichtetem Raum Leben und Architektur: die Kathedrale, die Kirchen, das Kastell, das Parlament, die großen Banken, die Theater, die Stadien, die bedeutenden Galerien, die Altstadt mit ihren winkeligen Einkaufsstrassen, die Plätze und Ramblas mit ihren Statuen, Monumenten, den Künstlern., der Mode. Und den Hafen, dessen eigenes Leben sich zwischen der Repräsentation privater Jachten und dem Business der kommerziellen Container-Seefahrt und Fischerei entfaltet.

All diese Orte mit ihren Nuancen von mallorcinischer Kultur müssen offensichtlich in dieser Zeit für den Mallorciner neu erschossen werden, um ihm bewusst zu machen, woher er kommt, was er hat und wer er ist. So lässt sich im Risiko der Entfremdung die Chance der Wiederentdeckung erkennen.

Und? Wie ist die aktuelle Stimmung auf der Insel? Wie ist der Stand der Diskussion über den Frontverlauf zwischen den Kulturen?
Seit der allgemeinen Einführung des Euro und seit der Erhebung der Ökosteuer durch die Balearenregierung ist das Stimmungsbarometer auch auf der Seite der Deutschen im Sturzflug gefallen. Viele Preise auf der Insel, insbesondere die in den Restaurants, scheinen 1:1 verrechnet, das ist ohne Umschweife eine hemmungslose Abzocke. Und jeder Tourist, der mit einer Steuer belegt wird, nur weil er bereit ist, seinen Urlaub auf dieser Insel zu verbringen, fühlt sich bestraft. Dabei ist nicht einmal die Höhe der Zahlung entscheidend, sondern die Tatsache der Zwangsabgabe als solche. Da bleibt die Reaktion nicht aus. Mallorca wird plötzlich kritisiert und gemieden. Eineinhalb Millionen deutsche Touristen verzichteten 2002 auf die mallorcinische Sonne und suchen die Entspannung in anderen Regionen. Nach der Lust auf Malle kam der Frust auf Malle!

In dieser Situation sahen sich die Bewohner der Insel plötzlich konfrontiert mit ihren eigenen Wünschen: Weniger Fremde, weniger Deutsche. Und? Wie ist die Reaktion? Freudentaumel? Weiß Gott nicht! Ein Aufschrei der Entrüstung geht durch die mallorcinische Presse: Die Deutschen machen die Insel schlecht! Die Wirtschaft der Insel ist gefährdet. Die Kritik kommt von den Politikern aber auch vom mallorcinischen Handel. Plötzlich sieht sich der Tourist, der sich weder von den gestiegenen Preisen noch von der Ökosteuer hat abschrecken lassen vor Ort konfrontiert mit offener Ablehnung, die ihm in der Boutique oder im Haushaltswarenladen entgegenschlägt. Er sieht sich beschimpft, verantwortlich gemacht für das Desaster der leeren Tischen und leeren Geschäfte. Wollten die Mallorciner denn nicht weniger Fremde?

Der Begriff des „Qualitätstourismus“ geht um. Man will den Touristen, aber nur den reichen Golfer, den „Prommi“. Es geht der Witz um, dass die Mallorciner am liebsten hätten, dass die Touristen ihr Geld vom Flieger aus auf der Insel abwerfen, ohne überhaupt zu landen. Nur ein Witz?

Viele unterschiedliche Auffassungen, viele Betroffenheiten und viele Gründe verflechten sich momentan zu einem dichten Knäuel an wechselnden Stimmungen und kontroversen Argumenten. Ein gordischer Knoten ist entstanden, der sich aber nicht so einfach mit einem Schwerthieb trennen lässt, sondern der zu seiner Lösung Zeit und besonders gegenseitiges Verständnis benötigt. Verständnis aber entsteht im Austausch der Argumente und der Gefühle.

Interessant ist das zunehmende Engagement der deutschen Presse auf Mallorca in Sachen Kultur und insbesondere Kunst. Vernissagen werden eingehend besprochen, und die Aktivitäten der Galerien werden übersichtlich im Veranstaltungskalender gelistet. Kunst scheint als ein besonderes Feld der kulturellen Begegnung und Auseinandersetzung erkannt und bewertet zu sein. Doch die Aktivitäten bedürfen eines Sponsorings, zumal wenn sie sich mehr um Erkenntnis bemühen als sich in kaufbaren Waren bunter Wohnzimmerbilder zu erschöpfen.

Wenn der Mallorciner Josep Moll Marquès als Beauftragter der Landesregierung in Berlin jene aufruft, die vom Tourismus-Business reich geworden sind, doch einige Brosamen dieses Geldes in kulturelle Projekte um die mallorcinische Kultur zu reinvestieren, dann ist das eine wichtige Geste, die auch den Inselrat nicht ausnimmt. Ausnahmslos alle, die am Tourismus und damit an einer gewissen Überfremdung dieser Insel verdient haben, sollten in das investieren, was ihr Business heute und auch morgen am Leben erhält, nämlich in die mallorcinische Kultur, in ihre Entdeckung und ihre Vermittlung.

Wenn man diesen Kulturmäzenaten das notwendige öffentliche Interesse entgegenbringt, ihre Leistung anerkennt, ihnen den Raum zum Investment öffnet, mit ihnen in einen produktiven Dialog eintritt, dann muss es allein schon aus wirtschaftlichen Gründen (wenn denn dies das beste Argument für die Geldgeber ist) von großem Interesse sein, zu investieren, weil mit diesem kulturellen Investment die Zukunft des Marktes Mallorca gestärkt wird. Mallorca definiert sich nachhaltig aus den beiden Faktoren Natur und Kultur !

Man wird in dieser Zeit über den Unterschied der Kulturen sprechen; man muss darüber sprechen, denn offenbar bedrückt das Thema die Menschen dieser Insel auf der Suche nach ihrer Identität und auf der legitimen Suche nach ihrer Bedeutung. Integration als Gleichmacherei als Vereinnahmung des Einen durch den Anderen ist nicht der richtige Weg. Nur die Vielfalt, wenn sie denn richtig gepflegt wird, sichert sinnlichen Reichtum, Kreation von Schönheit, das Erlebnis von Lebendigkeit und den produktiven Austausch zwischen Menschen, denn lebhaft erzählt wird nur dort, wo es Neues zu sagen gibt !

Neues und Bekanntes über die Mallorciner könnten gerade die Deutschen sagen, weil man in der eigenen Kultur leicht blind wird und das täglich erlebte nicht mehr bewusst sehen kann. Wer allerdings von außen kommt, dem fallen auch Details auf.

Nur die behutsame Abgrenzung kultureller Werte voneinander sowie die Präsentation der unterschiedlichen Kulturen nebeneinander und der gegenseitige Respekt vor den jeweiligen Leistungen sind entscheidend für die Qualität der Beziehung zwischen Menschen und damit auch für den vernünftigen Tourismus von morgen.



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