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"ImBlattRausch"
blättern - knäulen - falten - reissen

Ausstellung im Medienhaus Bremen
Schwachhauser Heerstrasse 78
28209 Bremen
Begrüssung: Elly Linke
Einführung:
Dr. Barbara Nierhoff

Eröffnung Donnerstag, 16. März 2006
Dauer 17.3. bis 8.6.2006



InBetween - Analogue&Digital...









Aus der Einladung:

Diese Ausstellung „ImBlattRausch“ hätte kaum einen besseren Platz finden können als in unserem Medienhaus – warum?

Michael Weisser ist ein Künstler, der seine Ideen vorwiegend in den neuen, digitalen Medien ausdrückt. Als engagierter Grenzgänger zwischen analog und digital, zwischen dem Bild, dem Wort und dem Klang, zwischen Kontemplation und Aktion, entwickelt er kreativ und zielstrebig seinen erweiterten Kunstbegriff.

Unser Medienhaus ist ebenfalls ein Ort der analogen und digitalen Medien, auch hier wird kreativ gearbeitet, wenn auch nicht frei (im Sinn der Kunst) sondern angewandt (im Sinn einer kundenbezogenen Dienstleistung).

Die künstlerischen Projekte von Michael Weisser sind komplex, multimedial und im tieferen Sinne politisch ambitioniert, denn er stellt den Anspruch, nicht nur darzustellen, sondern auch konkret verändern und dabei auch stets optimieren zu wollen.
Mit seiner Methode der ästhetischen Feldforschung und der Spurensuche erkennt und analysiert er Phänomene unseres Alltags und kommuniziert seine „An-Sichten“ in des Wortes Doppelbedeutung als Bilder von etwas und als Meinungen über etwas.
Nach seinem Studium der bildenden Kunst und dem anschließenden Studium von Kunstgeschichte und Kommunikationswissenschaften an den Universitäten von Bonn und Marburg, erkannte Weisser sehr früh schon die revolutionären Kräfte der digitalen Medien als die neuen Flügel der künftigen Kommunikation.

Im Jahr 1982 veröffentliche er seinen ersten Roman unter dem Titel „Syn-Code-7“ und im Folgejahr den Roman „DigIt“. Beide Werke behandeln die von der Gen-Technologie und vom Computer geprägte Welt der damaligen Zukunft (unsere heutigen Gegenwart) und erschienen in der Phantastischen Bibliothek des Suhrkamp Verlages in Frankfurt.

Nach weiteren Romanen und Essays über eine technisch geprägte Zukunft, die in den Verlagen Heyne und Corian erschienen, schlug Michael Weisser 1984 den Bogen von der literarischen Utopie zur akustischen Realität. Nachdem er sie literarisch beschrieben hatte produzierte er elektronische Musik und schuf als Mastermind der Formation „Software“ mehr als 10 Jahre lang neue Klangfarben und poetische Texte, die auf rund 20 CD-Produktionen mit weltweit mehr als einer Million veröffentlichten Titeln erschienen und u.a. in den großen Planetarien von Bochum und Stuttgart als Kuppelprojektionen uraufgeführt wurden.

Im Jahr 1985 erforschte dieser Künstler im Auftrag von IBM-Deutschland das Thema Kunst und Technik und im gleichen Jahr konzipierte er eine erste Wanderausstellung über „Internationale Computergrafik“ für den Computerhersteller Digital Equipment in München.

1988 erhielt der Medienkünstler eine Gastprofessur an der Hochschule für Künste in Bremen und vermittelte den Studenten Visionen zu einer Digitalisierung der Kunst.

1989 veranstaltete Michael Weisser die „Bremer Tage der Computerkultur“, bei denen erstmals die Bereiche Computerpublishing, Computerkunst und Computermusik an verschiedenen Orten in Bremen ausgestellt und zur Diskussion gestellt wurden.
Die Resonanz auf dieses Festival war hoch, doch der ehrgeizige Plan, ein erstes Institut für Computerkultur in Bremen zu etablieren, ließ sich damals noch nicht umsetzen. Bekannte High-Tech-Unternehmen in Deutschland waren zum Sponsoring bereit, aber die Erkenntnis der Bedeutung einer solchen Ideen-Schmiede hatte sich in der Bremer Verwaltung noch nicht durchgesetzt.

Im Jahr 2001 spendete Michael Weisser seine private Sammlung „ComputerKultur“ der Kunsthalle Bremen und gab damit die Anregung, das traditionsreiche Kupferstich-Kabinett in das 21. Jahrhundert der digitalen Clones und Algorithmen fortzuschreiben.

Visionen von der Welt von Morgen beschäftigen den Bremer Künstler bis heute. An den Bildern dieser Ausstellung kann man eindrucksvoll ablesen, dass es Weisser nicht nur um die Theorie der Ideen, sondern in gleicher Weise um die Materialität der Praxis geht.

Frau Dr. Nierhoff, die als Spezialistin für digitale Kunst an der Kunsthalle Bremen arbeitet, wird nachfolgend kenntnisreiche Worte zu den bildnerischen Arbeiten des Bremer Medienkünstlers Michael Weisser ausführen.

zu Grossbild

MW: Der Grundstein dieser Ausstellung ist ein "error"!

"Als ich im Jahr 1988 vom Österreichischen Rundfunk den Auftrag erhielt, ein neues Design für den Katalog der „ars electronica“ zu entwickeln, kollabierte das Programm meines neuen Scanners.
Für diese Publikation über „Meisterwerke der Computerkunst“ wollte ich die Preistrophäe „Nica“, auf den Titel setzen. Statt dem Fotoscan bekam ich eine DIN-A4 Seite voller schwarzer und weisser Flecken.

Ein Rauschen.
Das blaue Rauschen.

Den Datensatz habe ich aufgehoben. Er hat mich auf eigentümliche Weise immer wieder inspiriert. Als das Buch fertig layoutet war und ich eine Idee suchte, auf welche Weise ich das Cover mit der Nica gestalte, sah ich das digitale Rauschen... und hatte die Idee. Als Hommage an die Quelle meiner Inspiration habe ich damals dieses digitale Rauschen in dezentem Grau als Vorsatzpapier in den Katalog integriert.

Dieses Rauschen hat mich immer begleitet - bis heute.
Als stete Quelle der Inspiration und als formales Feld der Chifffren."
(MW 2006)


Zu: Digitale Felder & Rauschende Texturen (ab 2001)
...ein Sprung von der analogen in die digitale Welt