Zurück

Marilyn in Dir! - Digitale Fotografie, Installation

Galerie Lonnes - Speicher 1, Überseestadt
Öffnungszeiten: Di-Sa 14-18 Uhr - Vereinbarung Tel. 0421-2436780
Ausstellung vom 25. Mai bis 6. Juli 2008
Begrüssung: Hannelore Lones
Zum Werk spricht: Detlef Stein (Kunsthalle Bremen)

AUSSTELLUNG

"Der Bremer Medienkünstler Michael Weisser zählt zu den Pionieren der Computerkultur in Deutschland.
Sein Tätigkeitsfeld ist komplex. Er arbeitet besessen, kreativ, konzentriert. Er verbindet die Medien Bild, Wort und Klang und bezieht die Reflexion seiner Arbeit durch Ausstellungen, Symposien und Publikationen ein.
Sein computergestütztes, eigenes Management qualifiziert den free-lancer zu einem kreativen Macher, der stets in vorderster Front des Zeitgeistes neue Herausforderungen sucht, ohne dabei in Technikeuphorie zu verfallen".
Hannelore Lonnes - März 2008

PDF-Text komplett


Als Michael Weisser im Jahr 1999 programmatisch festlegte, dass er für seine künstlerische Arbeit die Themen und Motive aus der Kunst, aus dem realen Leben und aus der virtuellen Welt des Internet beziehen wird, hatte er sich bereits ein Jahr lang mit der enormen Präsenz von Norma Gene Baker alias Marilyn Monroe im WorldWideWeb beschäftigt.

Im Jahr 2005 präsentierte Weisser „the secret files of Marilyn Monroe“ als multimediales Event auf einer Fläche von 1.400 qm in der historischen Elektrozentrale des Maximilian-Parks in Hamm. Es war ein Environment, das die schillernden Facetten der Pop-Diva beleuchtete.

Ein Jahr später folgte „investigated!“ im Kunstverein Hamm. Die vorher gezeigten Abbilder von Marilyn, auseinander gebrochen und in Puzzle-Technik neu geordnet, wurden hier ergänzt durch originale FBI-Akten, die als Tastenfelder typografisch aufbereitet waren. Es ging in beiden Ausstellungen um An-Sichten als Bilder von etwas und als Meinungen über etwas.

Künstlerisch inszeniert wurde der rauschende Spannungsbogen vom schlichten Allerweltsmädchen zur Hollywood-Ikone, zur strahlenden Göttin und zum Sinnbild erotischer Begehrlichkeit für Millionen. Gezeigt wurde Marilyn als Gestalt im Wechsel von Licht- und Schattenwelt, als Sinnbild für Ruhm und Erfolg, aber auch für erotische Exzesse, Drogen und einen frühen, tragischen, mysteriösen Tod.

Die aktuelle Ausstellung in der Galerie Lonnes zeigt die Film-Diva der 60er Jahre ebenfalls fragmentiert als ein Puzzle und dann zu neuen Bildern zusammengesetzt. Marilyn erscheint hier in ihren extremen Facetten zwischen weiß und schwarz; in ihrer Einsamkeit und im erotischen Wechselspiel zwischen den Kennedybrüdern; in der Verwandlung ihrer Haarfarben und in ihrem Klischee, das sich als Kussmund-Blondine bis heute in alle Erinnerungen eingebrannt hat. Doch diese Ausstellung offenbart noch mehr!

Michael Weisser verbindet das globale Thema Marilyn Monroe mit den Menschen seiner Stadt Bremen, denn er zeigt über das Thema MM hinaus die Verknüpfung des entrückten Idols mit dem Bekannten von nebenan, ja mit dem Betrachter der Ausstellung selbst.

Seit dem Jahr 2000 arbeitet Weisser konsequent an seinem Langzeitprojekt „bremen>AN<sichten“. Hunderte von Gesichtern hat er aufgenommen und diese im November des vergangenen Jahres in einem 5x5 Meter großen Wandbild in der Zentralbibliothek am Wall zu einer rauschenden Matrix zusammengesetzt.
Ausgewählte und künstlerisch stilisierte Menschen-Gesichter aus diesem Bremen-Projekt bilden in einer konsequent umlaufenden Bild-Sequenz den Rahmen, der sich um das geheimnisvolle Puzzle der faszinierenden Welt von Marilyn Monroe schließt.

Der Titel „Marilyn in Dir!“ stellt die Korrespondenz der tiefen Sehnsucht nach Anerkennung, Erfolg, Liebe, Ruhm und Reichtum zwischen dem entrückten Idol und dem Nachbarn von nebenan her. Ja, auch ich selber finde mich wieder, könnte der Besucher zu Recht denken und fühlen – selbst wenn er nicht mit seinem Portrait in dieser Ausstellung vertreten ist.

Die Ausstellung verbindet Vergangenheit und Gegenwart am augenfälligsten dort, wo Marilyn auf einem Banner sagt: „I’m not interested in money. I just want to be wonderful“ und direkt daneben zwei Bremerinnen mit ihren Statements zitiert werden: "Ruhm ist mir nicht so wichtig" (Antje-18) und "Ich möchte wirklich geliebt werden - sonst nichts." (Beate-29)

Hannelore Lonnes - März 2008



© Bremen 2008