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Die Installation D.U.R.S.T. von Michael Weisser in der Krypta des Elefanten


Eröffnet am 11.8.2009 um 16 Uhr
Geöffnet 11.8. bis 15.8.2009 - täglich 11-16 Uhr
Schirmherr Senator Dr. Reinhard Loske
Begrüssung: Ralph Saxe (Vereinsvorstand)
Rede: Prof. Dr. Jutta Berninghausen (Konrektorin Hochschule Bremen)
Audio: Feature von Günter Beyer für Deutschlandfunk 11.8.09

DerElefant! zur Geschichte des Reichskolonial-Ehrenmals

Fragen von SchülerInnen und Diskussion in der Ausstellung D.U.R.S.T.
Hermann-Böse-Gymnasium 12-Klasse Kunst, Karina Lajchter – 14.8.2009



Ich, der große General der deutschen Soldaten,
sende diesen Brief an das Volk der Herero:
Die Herero sind nicht mehr deutsche Untertanen. Sie haben gemordet, gestohlen, haben verwundeten Soldaten Ohren und Nasen und andere Körperteile abgeschnitten und wollen jetzt aus Feigheit nicht mehr kämpfen. Ich sage dem Volk: Jeder, der einen der Kapitäne an einer meiner Stationen als Gefangenen abliefert, erhält 1000 Mark, wer Samuel Maharero bringt, erhält 5000 Mark. Das Volk der Herero muss jedoch das Land verlassen. Wenn das Volk dies nicht tut, so werde ich es mit dem Groot-Rohr (Geschütze) dazu zwingen. Innerhalb der deutschen Grenzen wird jeder Herero mit und ohne Gewehr, mit oder ohne Vieh erschossen, ich nehme keine Weiber oder Kinder mehr auf, treibe sie zu ihrem Volk zurück oder lasse auf sie schießen. Dies sind meine Worte an das Volk der Herero.
Der große General der mächtigen Kaisers, von Trotha. Verkündet am 2.10.1904

Dieser „Vernichtungsbefehl“ des Generals der Schutztruppen in Deutsch-Südwest-Afrika zielte auf die Ausrottung der Herero, Nama und Damara im heutigen Nambia.

Unterstützt vom Verein DerElefant! wurde auf Initiative des Bremen-Afrika-Archiv e.V. diesem Völkermord in der Omaheke Wüste ein Namibia-Erinnerungs-Ort am Elefanten gewidmet, der in Zusammenarbeit mit dem Centre for Applied Social Sciences in Windhoek entstand.

Das Monument „Der Elefant“, wurde als Reichskolonialehrenmal vom Bildhauer Friedrich Behn entworfen und im Jahr 1932 eingeweiht. In der unter dem Elkefabnten geklegenen, 12-eckigen Krypta sollte an die im Kampf um die deutschen Kolonien gefallenen deutschen Soldaten erinnern.

Im Jahr 1990 wurde das Monument von Bremer Bürgern beim Namiba-Freiheitsfest zum Anti-Kolonial-Denkmal umgewidmet. Tafeln rechts und links am Eingang zur Krypta machen es zu einem „Symbol für die Verantwortung, die uns aus der Geschichte erwächst“.

"DerElefant!" wurde als gemeinnütziger Verein für Vielfalt, Toleranz und Kreativität
im Juni 2008 von Bremer Bürgern gegründet. Zweck des Vereins ist die Förderung von Bildung und Erziehung, Kunst und Kultur, des Denkmalschutzes und der Völkerverständigung. Der Verein hat die Schirmherrschaft über das Monument übernommen, die Krypta renoviert , um an diesem Ort exemplarische Beispiele für Vielfalt, Toleranz und Kreativität in unserer "Einen Welt" zu zeigen.

Das Werk „D.U.R.S.T.“ des Bremer Medienkünstlers Michael Weisser  "thematisiert anhand der drei Flüssigkeiten Wasser, Rotwein und Coca-Cola die blutige Kolonialgeschichte, die vorbereitet von Missionaren und geprägt vom Profit, bis heute kein Ende gefunden hat. Michael Weisser war in Namibia, am Schauplatz des Genozids. Er hat am Waterberg, im Ort Okakarara und in der Omaheke-Wüste mit den Menschen gesprochen, fotografiert,  sowie Wüsten-Sand und Wasser als Proben für sein Kunstwerk genommen.
Entstanden ist eine Raumgestaltung in der Krypta des Elefanten, die Objekte, Fotografie, Licht, Duft und vom Künstler produzierte Musik als "Requiem für analoge Seelen" verbindet."









Das, was man in der Krypta wahrnimmt:

Auf dem massiven Sandsteinaltar im pseudosakralen, 12-eckigen Weiheraum „Krypta“ liegt eine handgezeichnete Generalstabs-Karte des Schlachtfeldes (1904-1907)  im Format 1x2 Meter. Diese Karte wird von den beiden Seiten der Krypta-Decke fokussiert angestrahlt. In der Mitte des gespiegelten Schlachtfeldes ist grafisch ein Schachfeld aus der Karte herausgearbeitet.

Auf den 8x8 Feldern des Schachbretts stehen sich in Analogie zu Schachfiguren zwei Reihen von je 8 Gläsern gegenüber: eine Reihe kleiner Wassergläser, gefüllt mit Quellwasser aus Okakarara/Waterberg/Namibia (dem Getränk der dortigen Völker) und eine Reihe größerer Weingläser gefüllt mit Rotwein (als Blut Christi überbracht ab 1842 durch die Missionare der Rheinischen Mission und als Blut der Getöteten).

Auf den 11 Wandsockeln steht jeweils ein großes Coca-Cola-Glas hälftig gefüllt mit dem Sand der Omaheke-Wüste am Waterberg und darauf jeweils ein Grablicht (das den erhabenen Schriftzug „Coca-Cola“ beleuchtet und flackern lässt).

Hinter dem Stein-Tisch hängt ein Bildfeld als digitaler Pigmentprint auf Leinwand im Format 1x1 Meter mit 100 Abbildungen von Coca-Cola Schildern in Namibia als Dokument der Omini-Präsenz des globalen Markenartikels Nr.1.

Die sakrale Atmosphäre wird gestützt durch eine quadrophone Beschallung aus der Kuppel der Krypta. Zu hören sind Titel aus der Musikproduktion „Heaven-to-Hell - Requiem für analoge Seelen" der Musik-Elektronik-Formation Software (Mergener/Weisser) 1995 erschienen auf dem Label IC und produziert von Michael Weisser.

Der nur auf die deutschen Gefallenen bezogene Spruch "unseren Toten", aus dem Stein gemeisselt an der Stirnseite des Steinaltars, wurde für die Installation ersetzt durch das Textband"...ALLEN GETÖTETEN..."

Ein leichter Geruch von Weihrauch erfüllt den Raum...



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