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"DasWasser!"
Hommage auf Barthold Heinrich Brockes
von Michael Weisser


Eine bleibende Installation im Schloss Ritzebüttel / Cuxhaven / Im Schlosspark
zum 330-jährigen Gedenktag des Amtmanns und Literaten Barthold Heinrich Brockes.
Einweihung der Arbeit durch Dr. Anne Frühauf (Kulturdezernentin)
am Sonntag, 26. September 2010 um 12:15
Schloss Ritzebüttel, Im Schlossgarten, 27472 Cuxhaven
Geöffnet Mo-Do 10-13, Di-Do 14-17, Sa-So 11-15 Uhr



Die multimediale Hommage des Künstlers Michael Weisser auf den Juristen, Philosophen und Poeten Barthold Heinrich Brockes (1680-1747), spannt einen ästhetischen Bogen zwischen dem 18. Jahrhundert des Barock zum 21. Jahrhundert unserer digital-vernetzten Medienwelt.

Indem Weisser der Brockes-Lyrik "Das Wasser" 100 einzelne Worte entnimmt und diese zu zehn neuen Gedichten aus je 10 Worten als eigene Typografien zusammenfügt, kreiert er eine überraschend neue Form von Poesie, die ihren passenden Ort im Cuxhavener Schloss Ritzebüttel findet, in dem Brockes seinerzeit als Amtmann gewirkt hat.



"Das Wasser" – 1738/2010
Bemerkungen zur Installation.


"Meine künstlerische Hommage ist dem Hamburger Senator und Diplomaten Barthold Heinrich Brockes, gewidmet, der zugleich Schriftsteller und Dichter der frühen deutschen Aufklärung war." mw

Am 22. September dieses Jahres feiert Brockes seinen 330-jährigen Geburtstag.
Er wurde 1680 geboren und starb 1747.

Von 1721 bis 1748 arbeitete er an seiner neunbändigen naturlyrischen Gedichtsammlung „Irdisches Vergnügen in Gott, bestehend in Physicalisch- und Moralischen Gedichten“, die er dem Grafen Albrecht Wolfgang zu Schaumburg Lippe und Sternberg widmete.

Ein Teil dieses Werkes, das den Übergang von der religiös-barocken Weltsicht zur analytisch-physikalisch fundierten Aufklärung ablesen lässt, entstand in der Zeit von 1735 bis 1741, in der Brockes als Amtmann im Schloss Ritzebüttel tätig war.

Man kann davon ausgehen, dass Brockes in den damaligen Arbeitsräumen des Amtmanns, seine Lyrik und darunter auch das Gedicht über „Das Wasser“ verfasst hat.

Für meine mehrteilige Installation habe ich 100 Worte aus der Originalausgabe aus dem Jahr 1738 gescant, diese grafisch zu quadratischen Tasten ausgebildet und in einem Feld aus 10x10 Wort-Quadraten intuitiv zusammengesetzt.

Diesem Sinn-Chaos ist ein zweites Bild gegenübergestellt, bei dem jeweils 10 Worte einer Zeile zu einem sinngebenen Satz zusammengefügt sind. Derart geordnet enthält das Bildfeld "Das Wasser" 10 Gedichtzeilen von Michael Weisser aus dem Jahr 2010 gebildet aus den Worten von Barthold Brockes aus dem Jahr 1738.

Ergänzt wird die Installation durch 6 faksimilierte Seiten aus dem Buch, so dass der Betrachter einen Einblick in die Quelle hat, aus der die beiden Bildfelder entstanden sind.

Die als Linie im Raum aufgehängten Buchseiten und die zu Feldern zusammengefassten Worte werden ergänzt durch einen filmartigen Ablauf der Worte, die sich in einer elektronischen Überblendung durchdringen und von Wort zu Wort zum Gedicht werden. Diese Bildfolge ist dezent unterlegt mit einem Meeres-Rauschen.

Michael Weisser 2010


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PRESSEINFORMATION

Michael Weisser
„Hommage an Barthold Heinrich Brockes“ (1680-1747)


Zehn poetische Text-Zeilen komponiert von Michael Weisser, gebildet aus jeweils zehn Worten des Gedichtes „Das Wasser“, entnommen der naturlyrischen Gedichtsammlung „Irdische Vergnügen in Gott“ (1721-1748) von Barthold Heinrich Brockes, in der die Natur in den beiden Aspekten ihrer Schönheit und ihrer Nützlichkeit als Bindeglied zwischen Mensch und Gott gewürdigt wird.

Brockes war Schriftsteller und Dichter der frühen deutschen Aufklärung. Er war zugleich Philosoph, Jurist, Ratsherr, Stadtrichter, Landrichter und von 1735 bis 1740 Amtmann in der Hamburgischen Besitzung Ritzebüttel (der Keimzelle von Cuxhaven).

Die „Hommage“ an Brockes verwendet dessen 1738 gedrucktes, literarisches Hauptwerk und daraus das Gedicht „Das Wasser“ (Seite 386-412, 78 Strophen). Es entstehen zwei typografische BildFelder und eine filmische Sequenz. Diese Installation wird durch einen dezenten Klang von Meeresrauschen ergänzt.

Die Idee des Projektes: Das Alphabet ist eine Menge von Zeichen zur schriftlichen Darstellung der Wörter einer Sprache. Das deutsche Alphabet besteht aus 26 Grundbuchstaben, drei Umlauten (ä, ö, ü) und dem Eszett (dem scharfen S als ß).
Unterschiedliche Kombinationen dieser 30 Buchstaben ergeben die „Bibel“ ebenso wie „Das Kapital“, „Mein Kampf“ oder „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“.
Alles in deutschen Worten Gedachte und Geschriebene basiert auf diesen 30 Buchstaben unseres Alphabets, die zu Worten kombiniert und nach den Regeln der Grammatik zu sinnvollen Sätzen oder poetischen Texten ausgebildet werden.

Der Medienkünstler Weisser hat für seine „Hommage“ insgesamt 100 Worte aus dem Hauptwerk von Brockes ausgewählt, isoliert und gescannt. Die historische Vorlage ist der „Auszug der vornehmsten Gedichte aus dem von Herrn Barthold Heinrich Brockes in fünf Theilen herausgegebenen Irdischen Vergnügen in Gott, mit Genehmigung des Herrn Verfassers gesammlet und mit verschiedenen Kupfern ans Licht gestellt.“ Erschienen ist das Buch in Hamburg, bei Christian Herold im Jahr 1738.

Die rechteckig gescanten Wort-Tyografien wurden digital zu Quadraten komprimiert, mit einem grafischen Rahmen zu Tasten geprägt und zu zwei Bildfeldern aus je 10x10 dieser Tasten gestaltet. Jedes Bildfeld mit 100 Wort-Tasten hat das Format 1x1m. Das linke Feld mischt die Worte zufällig zu einem Chaos und das rechts daneben hängende Feld setzt die aus je 10 Worten geordneten Poesie-Zeilen untereinander.

Wort-Caos und Wort-Sinn werden ergänzt durch einen Foto-Screen, der die Poesien Wort für Wort aus der Tiefe erscheinen lässt. Die Poesie-Zeilen von Weisser:

01. Welch Wunder würdig vorzustellen - wenn schroffe Kräfte - reiche Geister regen.

02. Weite Fluth - vergräbt ohn Grund - beschäumten Anblick - Gottes wahre Tiefe.

03. Das feuchte Schlünde - solche Spiegel aufgerissen - stürzt ein Auge - tief.

04. Wenn Grauen - treibt ferne Liebe - in dunckler Abgrund Welt hinein.

05. Strudel und Tiefe - aufgerissen wie Gott - Du Wunder - genennet Chaos.

06. Aus fruchtbar Wasser - spriesset Saltz - der Erden Mutter - wahrer Schatz.

07. Wer tiefe Ufer sich säubert - in grässlich Wasser sich stürtzt.

09. Abgrund - irdisch wahre Macht - die finstern Zweifel - kräftig hat erwogen.

10. Land - Strand wird Wunder - Ebb - und beyde Reichen - werden Erden.



© www.MikeWeisser.de - 2010